saxon thunderbolt200nb mehrfachwertungDie Maschine läuft unaufhaltsam weiter, ohne auch nur einen Augenblick ins Stottern zu kommen. Pausen wie sie andere Künstler einlegen, kennt die NWOBHM-Legende nicht, sie liefern regelmäßig ab, nur der Umfang des Tourplans bestimmt die Pausen zwischen den einzelnen Releases. Dabei sind sie nach dem Ende ihrer Kumpels von MOTÖRHEAD vielleicht noch relevanter als zuvor, weil die Truppe als eine der letzten die Fahne des unbeugsamen Metal hochhält. Wie nur wenige haben SAXON stets an ihrer Idee festgehalten, nur einmal sind sie ganz kurz den kommerziellen Überlegungen verfallen. Seit mehr als zwanzig Jahren ist das Line-Up bis auf gesundheitliche Auszeiten von Drummer Nigel Glockler stabil. Als ich genau zu jener Zeit anfing, mich für die Band zu interessieren, erschienen mir neun Studiodreher schon viel, nun sind wir einfach so beim zweiundzwanzigsten angekommen. Bei so viel Kontinuität kann man auch bei "Thunderbolt" wenig falsch machen.

Um es vorweg zu nehmen, Biff und seine Mannen machen nicht den Felix Loch und bringen das Ding sicher ins Ziel. Zu Beginn bemühen sie mit "Olympus Rising" mal ein Intro, wer solange dabei ist, der darf das auch mal. Dann folgen Riffattacken des Titeltracks, die erst wuchtig daher kommen, um dann nach vorne zu treiben. Wer genau hinhört, der kann unter der zeitgemäßen Produktion von Andy Sneap durchaus kompositorische Querverweise zu den Frühwerken entdecken.
Nun sind ja die Sachsen ohnehin immer sofort zu erkennen, alleine schon wegen des markanten Organs ihres Frontmanns, doch ein wenig haben sie sich schon verändert über die Jahre. Doch hier scheint ganz klar die Direktheit ihrer Anfangstage heraus. Setzte man auf "Battering Ram" eher auf wuchtige Arrangements, so gibt die Truppe hier deutlich mehr Gas. Gleichzeitig aber wird ein wenig melodiöser agiert, obwohl es keine akustischen Intermezzi wie auf dem Vorgänger gibt.

Am stärksten klingen SAXON nach ihrer Hochphase, wenn sie es rockiger angehen lassen wie etwa im abschließenden "Roadie´s Song", dessen Leads selig an "747 (Strangers In The Night)" denken lassen. Den Song haben sie für ihre langjährigen Technikern geschrieben, eine stilistisch ähnliche Widmung erfahren ihre Weggefährten MOTÖRHEAD. "They Played Rock´n´Roll" ist eine tolle Hommage an Lemmy und das nun endgültig verschiedene Kult-Line-Up, welches musikalisch auch klar von ihnen inspiriert wurde und schön Gas gibt. Eher schleppend fällt "Sons Of Odin" aus, das sich im Chorus ähnlich hymnisch wir der Titelsong aufschwingt.

Überhaupt hat das Urgestein im Gegensatz zum schwermütigeren Vorläufer vermehrt mit doppelten Leads gearbeitet, die besonders bei "The Secret Of Flight" die Führungsrolle übernehmen. Darüber hinaus besticht der Song mit ein paar Tempovariationen, der Mittelteil ist mit der ruhigste des gesamten Albums. "A Wizard´s Tale" treibt von doppelten Gitarren flankiert ähnlich voran, um dann mit "Oh Oh"-Chören im Refrain ein wenig zugänglicher zu werden. Im Refrain mahlt das Riff schon ziemlich schön, "Predator" legt da sogar noch eine Schippe drauf und walzt alles platt. Unterstützung bekommt die Band dabei von jemanden, der sich mit sowas auskennt, die Grunts von AMON AMARTH-Sänger Johan Hegg passen ideal ins Bild.

So richtig Gas gegeben wird in "Speed Merchants" dessen modernes Eingangsriff von einem sehr klassischen abgelöst wird, damit könnte der Titel fast als aktuelle Variante von "Motorcycle Man" durchgehen. Durchweg in der Moderne verhaftet dampft "Sniper" mit tiefer gestimmten Gitarren um die Ecke, und dürfte soundtechnisch am ehesten an "Battering Ram" anknüpfen. Dessen zeitweise progressive Ausflüge findet man hier lediglich im opulenten "Nosferatu (The Vampire Waltz)" wieder, bei dem sich die schweren, schleppenden Gitarren mit ein paar cleanen duellieren dürfen. Hier hat der renommierte Studiokeyboarder Corvin Bahn, der erst letztens bei VOODOO CIRCLE glänzte, ein paar interessante Keyboardorchestrationen beigesteuert.

Für Abwechslung ist also gesorgt auf "Thunderbolt", wobei hier der Spagat zwischen der ursprünglichen Attitüde, Zugänglichkeit und zeitgemässem Anspruch besser gelingt als auf "Call To Arms". Hier macht sich natürlich erneut die Verpflichtung von Andy Sneap bemerkbar, der auch dem Bass von Nibbs Carter seine Momente gönnt. Auch wenn SAXON nun schon so lange in dem stilistischen Fahrwasser unterwegs sind, gelingt es ihnen immer noch, jedem Longplayer einen eigenen Charakter zu verpassen. Und wenn bis dahin nichts gravierendes passieren sollte, dann dürfte auch beim dreiundzwanzigsten Scheibchen wenig schief gehen, die Maschine rollt unaufhaltsam weiter. (Pfälzer)

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 47:48 min
Label: Silver Lining Music
Veröffentlichungstermin: 02.02.2017

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


David7,5 7,5 / 10

Dennis6,0 6 / 10

Jochen7,0 7 / 10

Klaus0,0 0 / 10

Maik7,5 7,5 / 10

Pascal4,5 7,5 / 10

Sabrina 8,08 / 10

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